BOSKOVICE (Boskowitz)

Die älteste schriftliche Erwähnung von Juden stammt aus dem Jahre 1343, eine jüdische Gemeinde wurde Mitte des 15. Jahrhunderts gegründet. Boskovice ist eines der kulturellen Zentren der mährischen Juden, an der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts gab es hier eine berühmte Jeschiwa und ein Zentrum für Talmudforschung. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten hier 2000 Juden (326 bewilligte Familien – sog. Familianten), was mehr als ein Drittel der Bevölkerung darstellte. Die jüdische Gemeinde wurde nach dem zweiten Weltkrieg für eine kurze Zeit wiederbelebt.

Das jüdische Viertel bildet ein ausgedehnter Gebäudekomplex in typischer Lage zwischen dem Schloßgelände und dem historischen Stadtkern auf einer Fläche von 5 Hektar, welcher ursprünglich aus 13 Straßen und 138 Häusern bestand, von denen bis heute noch 79 stehen, darunter die erhalten gebliebene einstige Schule Bílkova 7, das Bad U koupadel 8, das Spital Ve špitálku 10, das Rabinat Plačkova 45, die Mikwa im Souterrain des Hauses U templu 5, das Tor zum Ghetto und der Brunnen. Die ursprünglich barocken und klassizistischen Häuser weisen eine Reihe interessanter architektonischer Details auf. Siebenundzwanzig der interessantesten Denkmäler verbindet seit 1999 ein Lehrpfad durch das jüdische Viertel, dem leiblichen Wohle dienen hier einige stilgerechte Restaurants. Den außerordentlich wertvollen unter Denkmalschutz stehenden Komplex (Abb.1 und Abb.2) besuchen jährlich hunderte von Touristen.

Die barocke Synagoge in der Traplova-Gasse aus dem Jahre 1639 (Abb.3) ist das Werk des italienischen Baumeisters Sylvester Fiota aus Chiavenna, 1698 wurde ein Seitenschiff angebaut, spätere Umbauten sind im Empire- bzw. neugotischen Stile. In drei zeitlichen Etappen von der ersten Hälfte des 17. bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden das Deckengewölbe die Wände des Interieurs von Flüchtlingen aus Polen mit dekorativen Freskenmalereien mit Ornamenten und Pflanzenmotiven und hebräischen liturgischen Texten versehen (Abb.4). Nach einer komplexen Denkmalsinstandsetzung in den Jahren 1991–2001 wurden darin Museumsexponate zur Geschichte und den Denkmälern der hiesigen jüdischen Gemeinde ausgestellt. Die Ausstellung ist in der Saison von April bis Oktober jeweils montags von 13.0017.00, von Dienstag bis Freitag von 9.00–17, samstags von 10.00 bis 16.00 und sonntags von 12.00 bis 17.00, außerhalb dieser Zeiten nach telephonischer Vereinbarung (Herr Janík, T: 608 305 987) zu besichtigen, siehe auch www.boskovice.cz/muzeum/. Zwei weitere Synagogen, die Kleinere Synagoge aus dem 18. Jahrhundert und die Löw-Beersynagoge von 1884, wurden nach dem Krieg abgerissen.

Der Friedhof, in der Potoční-Straße westlich des Zentrums an einem Hang des Hügels unterhalb des Schloßwildparks gelegen, wurde spätestens im 16. Jahrhundert angelegt. Auf einer Fläche von 1,5 Hektar lassen sich 2400 Grabsteine, ebenfalls barocken (Abb.5) und klassizistischen Typs finden, von denen der älteste identifizierte aus dem Jahre 1670 stammt. Begraben liegen hier bedeutende Persönlichkeiten, u. a. der gelehrte Rabbi Samuel ha-Lei Kolin, Machacit ha-Šekel genannt (gestorben 1806). Inmitten des Areals steht die Ruine der Trauerzeremonienhalle von 1763 mit einer Steinplatte mit dem Text des Kaddischgebets darauf. Der Friedhof ist in der Saison für Besucher frei zugänglich.

Boskovice ist die Geburtsstadt des Augenarztes Abraham Albert Ticho (18831960 in Jerusalem) und des Schriftstellers Hermann Ungar (18931929 in Prag), dessen Gedenktafel sich seit 1993 an seinem Geburtshaus in der Zborovská-Gasse 11 befindet. Jeweils am zweiten Wochenende im Juli begrüßt die Stadt die jungen Teilnehmer am Boskovice-Festival, dessen Erlös der Bewahrung und Erneuerung der Judenstadt gewidmet ist, Näheres siehe www.unijazz.cz.

Weitere Sehenswürdigkeiten und Informationen über die Stadt und die Umgebeung finden Sie auch auf www.boskovice.cz.




 
sponz_eu sponz_rop sponz_jk sponz_zob