Geschichte der Brünner Jüdischen Gemeinde

Die Anwesenheit von Juden auf dem Gebiet der Stadt Brünn wird zum ersten Mal Mitte des 13. Jahrhunderts erwähnt. Dank des Privilegiums Přemysl Ottokars II. wurde 1333 die jüdische Selbstverwaltung geschaffen. Die jüdische Ansiedlung befand sich im südlichen Teil der Stadt, etwa in der Umgebung des unteren Teils der heutigen Masaryk-Straße. An der Stelle, wo heute die Masaryk-Straße vor dem Hauptbahnhof mündet, stand einst das Judentor (Abb.1).

Die Gemeinde war eigenständig. Es gab hier auch ein Rathaus und eine Schule. Außerhalb der Stadtmauern lag der Friedhof. Zu einer Veränderung kam es 1454, als auf Befehl des Königs Ladislaus Posthumus die Juden aus den königlichen Städten ausgewiesen wurden. Es begann eine lange Zeit von fast 400 Jahren, in der die Juden sich auf dem Territorium Brünns nicht ständig niederlassen durften.

Zu kleineren Zugeständnissen kam es im Laufe des 17. Jahrhunderts, als den Juden gegen eine Gebühr der Eintritt in die Stadt auf die Märkte gewährt wurde. Bei zweitägigen Märkten durften sie die Stadt nicht vor der elften Stunde betreten und mußten sie anderntags vor der 2. Nachmittagsstunde wieder verlassen, sie durften nur durch das Judentor herein (Abb.2), sie durften nicht in der Stadt übernachten, sondern nur in einer Herberge der Vorstadt (heute Křenova-Straße, usw.

Eine stürmische Entwicklung der Textilindustrie setzte im 19. Jahrhundert ein. Die Fabrikanten Jakob Häller, Löw-Beer, Samson Franckel und Israel Popper spielten dabei eine führende Rolle. Ein weiterer Impuls erfolgte nach dem Bau der Nordbahn von Wien nach Brünn und Bochnia (Salzberg) im damaligen Galizien.

Erst das Revolutionsjahr 1848 brachte grundlegende Veränderungen mit sich. Die Juden durften sich überall niederlassen und ohne Einschränkungen Ehen schließen (1849) beliebige Handwerke betreiben und Berufe ausüben und sich der Religionsfreiheit erfreuen.

Zu den ersten Aufgaben der neu entstehenden Gemeinde gehörte der Erwerb eines Grundstücks für einen neuen jüdischen Friedhof. Dieser wurde 1852 in Brünn - Židenice (Schimitz) eröffnet. Die erste neuzeitliche Große Synagoge in neuromanischem Stil wurde bereits 1855 fertiggebaut (Abb.3). Sie war das erste mit elektrischem Licht ausgestattete Gebäude in Brünn. Die Große Synagoge wurde am 16. März 1939 von den deutschen Faschisten niedergebrannt. 1858 wurde der Religiöse Verein als Vorgänger der Jüdischen Gemeinde gegründet. Zum ersten Vorsteher wurde Phillip Gomperz gewählt. Zur Konstituierung einer vollgültigen Jüdischen religiösen Gemeinde in Brünn kam es 1859.

Im Jahre 1860 wurde als Rabbiner Baruch Jakob Placzek eingestellt, der diese Funktion bis zu seinem Tode im Jahre 1922 ausübte. Er gehörte zu den bedeutenden Persönlichkeiten nicht nur in der jüdischen Welt sondern erlangte auch Berühmtheit als Naturwissenschaftler. Nach und nach wurden in Brünn eine Mikwe und eine Matzesbäckerei erbaut und in der Křenová-Straße (Krönaustraße) ein Polnischer Tempel genanntes Gebetshaus für die Ostjuden mit orthodoxem Ritus eröffnet. Ende des 19. Jahrhunderts hatte die jüdische Gemeinde bereits 7087 Mitglieder.

Im Jahre 1904 wurde die Neue Synagoge an der Ponávka erbaut (Abb.4). Während des ersten Weltkrieges kamen einige tausend Flüchtlinge aus Galizien nach Brünn. Nach der Entstehung der Ersten Republik wurden die jüdischen Institutionen in den Straßen tř. Kpt. Jaroše (ehemals Legionářská) und Koliště konzentriert. Später wurde die Administration in das Haus Legionářská-Straße 31 ausgesiedelt, im Stiftungshaus der Wiesners in der Legionářská-Straße 3 waren die sozialen und charitativen Einrichtungen. Das Haus in der Štefánikova-Straße 54 diente als Altersheim, in der Křenová-Straße 46 war bis 1927 das Waisenhaus und in der heutigen Hybešova-Straße wurde ein jüdisches Gymnasium eröffnet. In der Skořepka-Straße wurde 1936 die Synagoge der Agudas achim errichtet. Das Sportareal befand sich an der Brünner Riviéra.

Im September 1941 gab es in Brünn 11 102 Juden. Nach Theresienstadt wurden mehr als 10 000 Juden auf 13 Transporten deportiert, der erste Transport überhaupt, der Transport F ging im November 1941 nach Minsk, der letzte Dg im Juni 1943 nach Theresienstadt. Die Transporte wurden von der Grundschule in der Merhautova-Straße losgeschickt, wo sich heute eine Gedenktafel befindet (Abb.5). Von den mit Gewalt Deportierten überlebten nicht ganz 700 Personen.
 

Projekty „Brno židovské – zpřístupnění nemovitého odkazu“ a 
„Brno židovské –zpřístupnění synagogy na ulici Skořepka“ byly spolufinancovány Evropskou unií.

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