VELKÉ MEZIŘÍČÍ (Großmeseritsch)

Die jüdische Ansiedlung entfaltete sich in Velké Meziříčí seit 1636. In den folgenden Jahren vermehrte sich die Gemeinde rasch, den Höhepunkt in der Anzahl erreichte sie Mitte des 19. Jahrhunderts. Liquidiert wurde sie von den Nazis 1942. An der hiesigen Jeschiwa wirkten im 18. und 19. Jahrhundert bedeutende Rabbiner.

Das wertvolle Ensemble des jüdischen Viertels mit der Jüdischen Straße (Židovská ulice), heute Novosady, als Rückgrat, zu der quer liegend vier enge Gassen und einige öffentliche Hausdurchgänge führen, befindet sich am nordöstlichen Rand des historischen Stadtkerns entlang des Flusses Oslava (Abb.1 Die Häuser sind im Renaissance- und Barockstil errichtet (also noch aus der „christlichen“ Ära), enthalten viele interessante architektonische Details, eine häufige Erscheinung sind Kondominien. Von den ursprünglich 101 Häusern sind 63 erhalten geblieben, von den Gebäuden jüdischer Institutionen stehen das Gemeindehaus mit dem Rabbinat Nr. 1148, das Bad Nr. 1147 und die Schule 1145.

Die Alte Synagoge in der Novosady-Straße Nr. 1146 (Abb.2) ist ein Barockbau aus dem Jahre 1695. Sie wird bereits seit 1870 kommerziell genutzt. An der Stirnseite erregt ein wertvolles steinernes klassizistisches Portal aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit eherner plattierter Tür und zwei hebräischen Aufschriften die Aufmerksamkeit. In den Jahren 19951996 wurde die Synagoge zu musealen und Galeriezwecken renoviert, auf der Frauengalerie wurde dabei die Museumsausstellung Magen David zur Geschichte und den Denkmälern der hiesigen jüdischen Gemeinde eröffnet (Abb.3). Die Besuchszeit ist in der Sommerzeit (April bis September) von Dienstag bis Freitag 9.0012.00, 13.0016.00, Kontakt: T: +420 566 524 621, siehe auch unter www.muzeumvm.cz.

Die Neue Synagoge in der Novosady-Straße Nr. 97 (Abb.4) wurde in den Jahren 18681870 in neugotischem Stil von dem Architekten August Prokop erbaut. Im Innern faszinieren interessante Holzdecken und unechte Gewölbe mit subtiler Dekoration, die Außenfassade charakterisiert die Gestaltung groben Ziegelmauerwerks. Ein halbes Jahrhundert lang diente das Gebäude als Lagerhalle, heute wird es provisorisch als Einkaufszentrum genutzt, in Vorbereitung ist eine komplexe Denkmalrestaurierung unter Wiederherstellung der authentischen gestalt zu kultureller Nutzung. Zugänglich ist das Gebäude montags bis freitags 8.0018.00, samstags 8.0012.00, Kontaktperson: Herr Mates, T: +420 604 378 611.

Die Kleine Synagoge stand zwischen den beiden Tempeln und ist wohl die älteste von ihnen gewesen. Sie wurde in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts abgerissen.

Der jüdische Friedhof liegt in der Bezděkov-Straße, etwa 300 m nordöstlich des Hauptplatzes, an einem Hang hinter dem Fluß Oslava. Angelegt wurde er 1650, es befinden sich hier 1300 Grabsteine, darunter auch wertvolle Steine barocken und klassizistischen Typs, wobei der älteste lesbare aus dem Jahre 1677, begraben liegen hier ebenfalls bedeutende lokale Persönlichkeiten. Am Eingang steht eine neuromanische Trauerzeremonienhalle aus dem jahre 1880 (Abb.5). Der Friedhof ist nach Vereinbarung zugänglich, Kontaktperson: Herr Klenovský, T: +420 544 509 608.

Velké Meziříčí ist der Geburtsort des Historikers und Schriftstellers Isaac Hirsch Weiss (18151905 in Wien).

Weitere Informationen über die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten siehe unter www.mestovm.cz.

 

 

 
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